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Holger Steinberg

Kraepelin in Leipzig

Eine Begegnung von Psychiatrie und Psychologie

Edition das Narrenschiff
Bonn 2001
ISBN 978-3-88414-300-1
384 Seiten
24.90 € / 37.90 sFr

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Kurzinformationen

Emil Kraepelin gilt als Begründer der modernen klinischen Psychiatrie und leistete Grundlegendes auf den Gebieten der Pharmakopsychologie bzw. Psychopharmakologie, der Nosologie psychischer Krankheiten, der vergleichenden Psychiatrie sowie anderer Teilbereiche und Grenzgebiete wie der Krankenstatistik und Krankheitsbeschreibung und Arbeitspsychologie.

Die vorliegende Arbeit stellt erstmalig Kraepelins wichtige, weil ihn als Wissenschaftler wie als Persönlichkeit nachhaltig prägende Leipziger Phase in das Zentrum der Untersuchung. In wesentlichen Teilen wertet der Autor von ihm aufgefundene Originalschriftstücke aus, die hiermit erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Als Kraepelins Hauptverdienst wird die Schaffung und theoretische Begründung der modernen klinischen Psychiatrie gewertet. Mit ihr reihte sich die Nervenheilkunde endgültig in die medizinischen Disziplinen ein, überwand sie Selbstbeschränkungen der Hirnpsychiatrie und bot die Chance, den anhaltenden ›therapeutischen Nihilismus‹ zu überwinden. Alle Aspekte der Krankheit, ihre Ätiologie, Pathogenese, Symptomatologie, ihr Verlauf und Ausgang, waren dafür zu betrachten und empirisch zu verarbeiten.

Kraepelin blieb zeitlebens Anhänger eines somatischen Konzeptes der Psychopathologie. Daher musste es für ihn in der Regel körperliche Ursachen für Krankheiten geben, und sein Blick blieb vor den psychosozialen Dimensionen sowohl der Krankheitserklärung wie der Therapie weitgehend verschlossen.

Der Einfluss des Leipziger Aufenthaltes auf Kraepelins Hauptwerk, die empirisch-klinische Psychiatrie und die Dichotomie der endogenen Psychosen innerhalb seiner Nosologie ist vor allem deshalb evident, weil er durch die Berührung mit der Psychophysik und der Wundtschen Psychologie mit grundlegenden Arbeitsverfahren vertraut wurde und deren Bedeutung erkannte.

Aus dem Vorwort von Matthias C. Angermeyer

»Mancher Leser wird sich fragen: Noch eine Arbeit über Emil Kraepelin? Kann es denn überhaupt noch etwas Neues geben angesichts der voluminösen Literatur über seine Persönlichkeit und sein Werk? In der Tat ist schon viel über Kraepelin geschrieben und, ist man versucht zu sagen, noch mehr abgeschrieben worden (v. a. aus seinen Lebenserinnerungen). Genau Letzteres trifft für das hier vorgelegte Buch nicht zu. Mit geradezu detektivischem Spürsinn hat der Autor neue Quellen gefunden, sie kritisch gesichtet und dem interessierten Publikum zugänglich gemacht. Man merkt auf Schritt und Tritt, dass hier ein Fachmann am Werk war – und nicht jemand, der als Historiker dilettierte. Das Ergebnis ist ein akribisch recherchiertes, detailliert präsentiertes und klug interpretiertes Stück Psychiatriegeschichte. Das sich zudem spannend liest.

Im Mittelpunkt steht die Leipziger Zeit Kraepelins. Galt sie bisher als legendenumwoben, so wird sie hier mit Fakten ausgefüllt. Gleichzeitig lenkt das Buch die Aufmerksamkeit des Lesers auf eine Universitätspsychiatrie, die hinsichtlich ihrer langen Tradition im deutschsprachigen Raum beispiellos dasteht – auch wenn dies vielleicht von manchem Geschichtsschreiber in den alten Bundesländern noch nicht so richtig zur Kenntnis genommen worden ist. Nimmt man die Neurowissenschaften und die Psychologie hinzu, so kann man nicht umhin, die Leipziger Alma Mater als ein Zentrum dieser Forschungsrichtung zu bezeichnen. Dies gilt ganz besonders für das letzte Drittel des 19. Jahrhunderts. Emil Kraepelin gehörte zu jenen, die der Anziehungskraft Leipzigs nicht widerstehen konnten. Und obgleich er dem Einfluss Leipzigs nur kurze Zeit unmittelbar ausgesetzt war, prägte seine Begegnung mit der hiesigen Psychiatrie, Neurologie und Psychologie nachhaltig die Entwicklung seines Werkes. Die Vermutung liegt nahe, dass ohne diese Begegnung selbst die heutige Psychiatrie etwas anders aussehen dürfte, laufen doch die Uhren, 75 Jahre nach seinem Tod, immer noch im Kraepelinschen Takt.«

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