Erscheinungsweise:
4 Ausgaben jährlich,
PRINT jeweils zur Quartalsmitte,
ONLINE ca. drei Wochen vor Erscheinen

Redaktion:
Michael Lindemann, Bielefeld (verantwortlich); Martin Zinkler, Heidenheim (verantwortlich); Uwe Dönisch-Seidel, Kleve; Heinfried Duncker, Moringen; Tanja Henking, Stuhr/Würzburg; Heinz Kammeier, Münster; Norbert Konrad, Berlin; Wolfgang Lesting, Oldenburg; Rolf Marschner, München; Friedemann Pfäfflin, Ulm; Martin Rettenberger, Wiesbaden; Dorothea Rzepka, Bielefeld/Darmstadt; Norbert Schalast, Essen; Anja Schiemann, Euskirchen; Herbert Steinböck, Haar

Redaktionsanschrift:
Marina Broll
An der Panne 15
44227 Dortmund

Tel.: (0231) 15 05 460
E-Mail: marina.broll(at)gmx.de

Impact-Faktor 2017: 0,481

2016: Ausgabe 1/2016

Sonderheft »Fehlerquellen im Strafprozess«

Mit der Fehleranfälligkeit von Strafverfahren widmet sich das als Sonderheft konzipierte Heft 1/2016 von Recht & Psychiatrie einem Thema, das – nicht zuletzt aufgrund einiger spektakulärer Erfolge in Wiederaufnahmeverfahren – in aller Munde ist.
Insgesamt acht Beiträge beleuchten »Fehlerquellen im Strafprozess« aus psychologischer, psychiatrischer, rechtswissenschaftlicher und kriminologischer Perspektive. Gastherausgeber des Sonderheftes sind Gerd Bohner und Michael Lindemann.
Im Eröffnungsbeitrag beschäftigen sich Renate Volbert und Lennart May mit dem Problem falscher Geständnisse in polizeilichen Vernehmungen.
Polizeiliche Gegenüberstellungen sind das Thema des Beitrages von Melanie Sauerland, Alana Krix und Harald Merckelbach. Die Verfasser/-innen verdeutlichen anhand von Beispielsfällen die Gefahr einer Eintrübung von Identifizierungsaussagen durch Fehler bei der Konstruktion und Durchführung der Gegenüberstellung.
Eine ausführliche Metaanalyse zur Akzeptanz von Vergewaltigungsmythen als Fehlerquelle bei der Beurteilung von Vergewaltigungsfällen steht im Zentrum des Beitrages von Philipp Süssenbach.

Wie immer werden zahlreiche weitere Dokumente aus der einschlägigen Rechtsprechung veröffentlicht; darüber hinaus Rezensionen und Veranstaltungshinweise.

Falsche Geständnisse in polizeilichen Vernehmungen – Vernehmungsfehler oder immanente Gefahr?

Renate Volbert und Lennart May

Zusammenfassung

Im vorliegenden Beitrag wird die Rolle polizeilicher Vernehmungen beim Zustandekommen falscher Geständnisse diskutiert. Es wird argumentiert, dass polizeiliche Beschuldigtenvernehmungen per se eine suggestive Potenz aufweisen, da die Vernehmung von Beschuldigten nur dann erfolgt, wenn es Gründe für eine mögliche Täterschaft gibt. Die Vernehmung ist daher notwendigerweise mit einer gewissen Voreinstellung der Schuld verbunden, welche nachvollziehbarerweise nicht schon durch ein Abstreiten der Tat revidiert wird. Sind die Vernehmenden sich dieser suggestiven Struktur nicht bewusst, besteht bei ungünstigen Fallmerkmalen (uneindeutige Beweislage, Verdacht fällt auf unschuldige Beschuldigte, Beschuldigte machen Angaben) immanent die Gefahr, dass die Verdachtshypothese eine Tendenz zur Selbstbestätigung entwickelt und zutreffendes Zurückweisen des Tatvorwurfs als Leugnen missinterpretiert wird. Wird Geständnismotivierung als explizites Ziel polizeilicher Vernehmung gesehen, kann es passieren, dass vulnerable Beschuldigte in dieser Situation nachgeben und falsche Geständnisse ablegen. Audio- oder Videoaufzeichnungen von Vernehmungen würden die Rekonstruktion von Vernehmungsumständen und ggf. die Identifizierung von falschen Geständnissen erlauben und zudem die Erforschung unterschiedlicher Vernehmungsstrategien ermöglichen und so zu einer Qualitätssteigerung der Vernehmungspraxis beitragen.

False Confessions in Police Interviews – Interviewing Error or Immanent Risk?

The current article addresses the significance of police interviews with suspects in the formation of false confessions. It is argued that suspect interviews inherently contain suggestive potential, as someone is only interviewed as a suspect if there are reasons to perceive him or her as guilty. Therefore, from the outset of the interview there is a tendency to believe that the suspect is guilty, which of course is not diminished simply by the suspect’s denial of accusations. If the interviewer is not aware of this suggestive structure, especially in cases with unfavorable attributes (i. e., ambiguous evidence, suspicion of an innocent person, suspect’s willingness to make a statement), there is the immanent risk that the hypothesis of the suspect’s guilt gives way to self-affirmation so that honest refutation of accusations is misperceived as false denial. Furthermore, if the interviewer’s aim is to motivate suspects to confess, there is a risk that especially vulnerable suspects may confess falsely. Audio and video recordings of suspect interviews could help to identify false confessions and to enable future research on interview techniques, and could thereby improve the practice of suspect interviews.

Stichworte

Falsche Geständnisse, polizeiliche Vernehmung, Beschuldigtenvernehmung, Geständniswiderruf, Vernehmungsprotokolle, False confessions, police interviewing, suspect interview, retracted confessions, interrogation


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