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4 Ausgaben jährlich,
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Michael Lindemann, Bielefeld (verantwortlich); Martin Zinkler, Heidenheim (verantwortlich); Alexander Baur, Hamburg; Uwe Dönisch-Seidel, Kleve; Heinfried Duncker, Moringen; Tanja Henking, Stuhr/Würzburg; Heinz Kammeier, Münster; Norbert Konrad, Berlin; Wolfgang Lesting, Oldenburg; Rolf Marschner, München; Friedemann Pfäfflin, Ulm; Martin Rettenberger, Wiesbaden; Dorothea Rzepka, Bielefeld/Darmstadt; Norbert Schalast, Essen; Anja Schiemann, Euskirchen; Herbert Steinböck, Haar

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2019: Ausgabe 1/19

Der erste Beitrag des ersten Hefts im neuen Jahr beschäftigt sich mit forensischen Patienten gem. § 64 StGB, die wegen nicht substanzbezogener psychiatrischer Hauptdiagnosen behandelt werden und lediglich eine sekundäre Suchtproblematik aufweisen. Von Specht/Ross/Bulla/Hoffmann/Querengässer ziehen einen Vergleich dieser Patenten mit primär alkohol- bzw. drogenassoziiert Diagnostizierten anhand soziodemografischer, klinischer, rechtspraktischer und Therapieerfolgsmerkmalen.

Im zweiten Aufsatz stellt Feil eine empirische Untersuchung zu behandlungsrelevanten Unterschieden in der Persönlichkeitsorganisation von Straftätern mit Sexualdelinquenz gegen Mädchen vor. Feil bildete hierfür zwei spezifische Untersuchungsgruppen, nämlich die von ausschließlichen Nutzern von Missbrauchsabbildungen und ausschließlichen sexuellen Kindesmissbrauchern, deren Opfer jeweils Mädchen waren. Es ergaben sich neue, klinisch relevante Erkenntnisse.

Im nächsten Beitrag stellen Bock/Sander/Franke/Linsig/Rudel/Schulz/Vahovic/Heumann die Frage, was die Seele im Knast macht. Sie stellen eine Evaluation der trialogischen Fortbildung zum Thema psychische Gesundheit und Krankheit für werdende Justizvollzugsbeamten vor. Denn die Vorbereitung der Vollzugsbeamte gilt für diesen Bereich als unzureichend.

Im letzten Aufsatz erörtert Eisenberg anhand von zwei erstinstanzlichen Verfahren vor Oberlandesgerichten die aussagepsychologischen Untersuchungen bei außergewöhnlichen Geständnissen. Bestehen Zweifel am Wahrheitsgehalt eines Geständnisses, so kann eine aussagepsychologische Untersuchung zur Aufklärung auch dann beitragen, wenn zugleich Zweifel daran bestehen, ob die Vernehmung lege artis durchgeführt wurden. Quelle einer solchen aussagepsychologischen Untersuchung ist dann in erster Linie nicht die Persönlichkeit des Beschuldigten, sondern das vorhandene Aussagematerial.

Das Inhaltsverzeichnis, das Editorial, Buchbesprechungen und zahlreiche Dokumente aus der Rechtsprechung finden Sie kostenlos zum Download.

Forensische Patienten gemäß § 64 StGB mit nicht substanzbezogenen psychiatrischen Hauptdiagnosen

Lisa von Specht, Thomas Ross, Jan Bulla, Klaus Hoffmann, Jan Querengässer

Zusammenfassung

Obwohl § 64 StGB den Hang zum Suchtmittelkonsum im Übermaß für eine Unterbringung voraussetzt, werden in Entziehungsanstalten vereinzelt Patienten mit nicht substanzbezogenen psychiatrischen Hauptdiagnosen und sekundärer Suchtproblematik behandelt. Ziel der Arbeit ist ein Vergleich dieser Patienten mit primär alkohol- bzw. drogenassoziiert Diagnostizierten anhand soziodemografischer, klinischer, rechtspraktischer und Therapieerfolgsmerkmalen. Auch wird untersucht, ob sich Hinweise auf »Ausweich«-Unterbringungen von zum Tatzeitpunkt voll schuldfähigen psychisch Kranken finden bzw. ob bei vermindert Schuldfähigen § 64 StGB als »milderes Mittel« angewandt wurde. Datengrundlage sind alle nach § 64 StGB in Baden-Württemberg behandelten Patienten der Jahre 2009 bis 2015. Von 1559 Patienten wiesen 31 eine nicht substanzbezogene Hauptdiagnose auf. In der Untersuchungsgruppe imponieren gering ausgeprägte Beziehungsfähigkeit, geringe soziale, Bildungs- und Arbeitsressourcen und hohe kriminelle Vorbelastung. Darüber hinaus finden sich Hinweise für das Zutreffen der »Ausweich«-Hypothese. Die Gruppencharakteristika deuten auf eine Häufung von Risikofaktoren hinsichtlich Behandlungserfolg und Rückfallgefahr hin. Es stellt sich die Frage, ob diesen Patienten mit ihren zusätzlichen Behandlungsbedürfnissen nicht in anderen Settings ggf. unter Anwendung des § 67 a StGB besser geholfen werden könnte.

Forensic addiction treatment (acc. to sec. 64 of the German Criminal Code) for patients without substance related main diagnoses in Germany

Offenders with addiction problems may be sentenced to be treated in a forensic drug treatment unit according to sec. 64 of the German Criminal Code (StGB). Nevertheless, in some cases sec. 64 is also applied to patients primarily diagnosed, with a major mental disorder exhibiting a secondary substance abuse problem. The present article aims at comparing socio-demographic, clinical, legal and outcome variables of this small group of patients with the majority of patients in forensic drug treatment. Data covered all patients treated according to sec. 64 StGB in the German federal state of Baden-Württemberg between 2009 and 2015. Out of 1.559 patients 31 had other than substance related main diagnoses. The index group is characterized by deficient social, educational and occupational resources and frequent prior criminal convictions. Group characteristics indicate a bulk of risk factors regarding therapy outcome and re-offending. Further discussion is required on whether the special treatment needs of the index group could better be met in other treatment settings, and if the clinical settings provided for severely mentally ill patients (acc. to sec. 67a of the Criminal Code) might be more adequate.

Stichworte

Maßregelvollzug, offender treatment, Forensische Psychiatrie, Komorbidität, comorbidity, Entziehungsanstalt, Forensic psychiatric treatment, section 64 of the German criminal code, Abhängigkeitserkrankungen, substance related disorders


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