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Michael Lindemann, Bielefeld (verantwortlich); Martin Zinkler, Heidenheim (verantwortlich); Alexander Baur, Hamburg; Uwe Dönisch-Seidel, Kleve; Heinfried Duncker, Moringen; Tanja Henking, Stuhr/Würzburg; Heinz Kammeier, Münster; Norbert Konrad, Berlin; Wolfgang Lesting, Oldenburg; Rolf Marschner, München; Friedemann Pfäfflin, Ulm; Martin Rettenberger, Wiesbaden; Dorothea Rzepka, Bielefeld/Darmstadt; Norbert Schalast, Essen; Anja Schiemann, Euskirchen; Herbert Steinböck, Haar

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Impact-Faktor 2017: 0,481

2019: Ausgabe 1/19

Der erste Beitrag des ersten Hefts im neuen Jahr beschäftigt sich mit forensischen Patienten gem. § 64 StGB, die wegen nicht substanzbezogener psychiatrischer Hauptdiagnosen behandelt werden und lediglich eine sekundäre Suchtproblematik aufweisen. Von Specht/Ross/Bulla/Hoffmann/Querengässer ziehen einen Vergleich dieser Patenten mit primär alkohol- bzw. drogenassoziiert Diagnostizierten anhand soziodemografischer, klinischer, rechtspraktischer und Therapieerfolgsmerkmalen.

Im zweiten Aufsatz stellt Feil eine empirische Untersuchung zu behandlungsrelevanten Unterschieden in der Persönlichkeitsorganisation von Straftätern mit Sexualdelinquenz gegen Mädchen vor. Feil bildete hierfür zwei spezifische Untersuchungsgruppen, nämlich die von ausschließlichen Nutzern von Missbrauchsabbildungen und ausschließlichen sexuellen Kindesmissbrauchern, deren Opfer jeweils Mädchen waren. Es ergaben sich neue, klinisch relevante Erkenntnisse.

Im nächsten Beitrag stellen Bock/Sander/Franke/Linsig/Rudel/Schulz/Vahovic/Heumann die Frage, was die Seele im Knast macht. Sie stellen eine Evaluation der trialogischen Fortbildung zum Thema psychische Gesundheit und Krankheit für werdende Justizvollzugsbeamten vor. Denn die Vorbereitung der Vollzugsbeamte gilt für diesen Bereich als unzureichend.

Im letzten Aufsatz erörtert Eisenberg anhand von zwei erstinstanzlichen Verfahren vor Oberlandesgerichten die aussagepsychologischen Untersuchungen bei außergewöhnlichen Geständnissen. Bestehen Zweifel am Wahrheitsgehalt eines Geständnisses, so kann eine aussagepsychologische Untersuchung zur Aufklärung auch dann beitragen, wenn zugleich Zweifel daran bestehen, ob die Vernehmung lege artis durchgeführt wurden. Quelle einer solchen aussagepsychologischen Untersuchung ist dann in erster Linie nicht die Persönlichkeit des Beschuldigten, sondern das vorhandene Aussagematerial.

Das Inhaltsverzeichnis, das Editorial, Buchbesprechungen und zahlreiche Dokumente aus der Rechtsprechung finden Sie kostenlos zum Download.

Was macht die Seele im Knast?

Trialogische Fortbildung zum Thema psychischer Gesundheit/ Krankheit für werdende Justizvollzugsbeamte

Thomas Bock, Kim Sander, Angela Franke, Regina Linsig, André Rudel, Gwen Schulz, Vladimir Vahovic, Kolja Heumann

Zusammenfassung

Trotz vieler Hinweise auf die Häufigkeit und Relevanz psychischer Störungen unter Gefängnisinsassen gilt die Vorbereitung der Beamten des allgemeinen Vollzugsdienstes in dieser Hinsicht als unzureichend. Die Evaluation einer trialogischen Fortbildung mit den vier Elementen Besinnung, Verstehenszugang, trialogische Begegnung und Reflexion berufsrelevanter Aspekte wird vorgestellt. Insgesamt 80 Beamtenanwärter aus vier Lehrgängen der Justizvollzugsschule Hamburg nahmen an einem fünfstündigen Modul teil oder wurden der Wartekontrollgruppe zugeteilt. Die Bedingungen für Teilnehmer und Wartegruppe sind gleich, die Gruppen unterscheiden sich nicht signifikant. Nach Abschluss der Intervention konnte bei den Teilnehmern im Vergleich zur Kontrollgruppe eine signifikante Abnahme (1) der sozialen Distanz zu psychisch Kranken, (2) negativer Emotionen (Angst und Wut) sowie (3) negativer Stereotypen festgestellt werden. Zudem waren Krankheits- und Behandlungsverständnis weniger eindimensional. Die Fortbildung stieß auf eine positive Resonanz bei Teilnehmern und Verantwortlichen. Sie wurde nach Abschluss der Evaluation regelhaft in die Ausbildung übernommen und nach Vorschlag der Teilnehmer für die erste Hälfte der Ausbildung vorgesehen. Trialogische Fortbildungen scheinen in der Lage zu sein, für psychische Probleme im Strafvollzug zu sensibilisieren – sowohl im Hinblick auf die Situation der Insassen als auch im Hinblick auf die Lebens- und Arbeitssituation der Beschäftigten.

Mental health in prison – »trialogic« mental health training of prison officers in Germany

Despite the high prevalence of mental health problems and mental illness in prison populations the training of prison officers in this respect appears insufficient. A »trialogic« training approach (including users of mental health services and family members) focuses on self-reflection, understanding of mental health problems, encounters with users and family-members and on the specific conditions of mental health in prison. To evaluate the programme a waiting list control design was chosen. Prison officers in the training group showed (1) less social distance towards people with mental illness, (2) less negative emotions (anger and fear) and (3) fewer negative stereotypes about people with mental illness, with a trend towards a more multidimensional model of mental illness. The training was well accepted by the participants and subsequently included in the mandatory training for prison officers in Hamburg. »Trialogic« trainings appear to be effective in fostering awareness for the mental health of prisoners as well as for the life and working conditions of prison officers.

Stichworte

Strafvollzug, Prison, mental illness, psychische Erkrankung, Fortbildung, Trialog, training


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