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45. Jahrgang 2015: Ausgabe 3

Über beträchtliche Spannweiten sozialpsychiatrischer Themen ziehen sich die Artikel im aktuellen Heft der Sozialpsychiatrischen Informationen:

Matthias Albers denkt über das ambulant betreute Wohnen nach während sich Christian Prüter-Schwarte mit dem Aufbau ambulanter Nachsorgeangebote für psychisch kranke Straftäter beschäftigt und Dirk Hesse einen Blick in das Innere des Maßregelvollzugs erlaubt.

Yvonne Kahl setzt sich mit den Barrieren auseinander, die sich psychisch Erkrankten bei der Teilhabe am selbstbestimmten Leben und der Rehabilitation im SGB IX immer noch in den Weg stellen.

Auch Angst kann eine Barriere sein, inwiefern sie ein bestimmender Faktor in Politik und Religion ist, das beleuchtet Arno Gruen in seinem philosophischen Aufsatz.

Von Mut machenden Erfahrungen mit recoveryorientierter Genesungsbegleitung berichten Gisbert Eikmeier und Angelika Lacroix, während Beatrix Brunelle davon erzählt, was sie als älterer psychisch erkrankter Mensch am Dasein lebenswert findet.

Der Artikel »Nachdenken über das ambulant betreute Wohnen« von Matthias Albers steht als kostenloser Download zur Verfügung.

24 Artikel

Ulla Schmalz und Sibylle Prins
Inhaltsverzeichnis 3/2015
– Inhaltsverzeichnis –
Zur Titelabbildung
– Zur Titelabbildung –
Helmut Haselbeck
Nachruf Rainer Pöppe
– Nachruf –
Ralf Seidel
Inklusion durch das SGB IX?
Barrieren der Teilhabe psychisch erkrankter Menschen im System der Rehabilitation und neue Perspektiven durch die UN-BRK
Yvonne Kahl
Zusammenfassung:
Zusammenfassung Das Gesetz zur Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen im SGB IX möchte Beteiligung von psychisch erkrankten Personen am Leben in der Gesellschaft fördern. Die Komplexität des Rechtssystems sowie die Fokussierung des Rehabilitationssystems auf vorhandene Defizite des Einzelnen und auf die Wiederherstellung von dessen Arbeitsfähigkeit erschweren jedoch die selbstbestimmte Teilhabe der Menschen. Die UN-BRK schafft mit ihrem Artikel 26 die Basis für eine veränderte Haltung Professioneller in der Rehabilitation, welche erkrankungsbedingte Beeinträchtigungen berücksichtigt, aber zugleich die Rolle der Gesellschaft bei der Förderung von Teilhabe beachten muss.
Forensische Nachsorge und Gemeindepsychiatrie – geht das zusammen?
Aufbau einer forensisch-psychiatrischen Nachsorgeambulanz in einer Großstadt und die Problematiken der Zusammenarbeit mit der Gemeindepsychiatrie
Christian Prüter-Schwarte
Zusammenfassung:
Zusammenfassung Die Bedeutung ambulanter Ansätze in der Beratung und Behandlung von psychisch kranken Straftätern hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Mit Reform der Führungsaufsicht 2007 ist auch der rechtliche Rahmen besser geregelt. Seit Dezember 2009 betreibt der Landschaftsverband Rheinland mit Eröffnung zweier forensisch-psychiatrischer Abteilungen an der LVR-Klinik Köln im Rahmen des Dezentralisierungsprogrammes des Landes NRW auch eine Nachsorgeambulanz für Maßregelvollzugspatienten. Die Stadt Köln verfügt über ein breites und gut ausgebautes sozialpsychiatrisches Versorgungsnetz, sodass sich mit der Eröffnung des neuen Standortes die Hoffnung auf günstigere Resozialisierungsmöglichkeiten für forensisch-psychiatrische Patienten verband. Drei Jahre nach Eröffnung haben sich diese Hoffnungen nur zum Teil erfüllt. Der Beitrag beschreibt die Schwierigkeiten der ambulanten Nachsorgearbeit in einer Großstadt. Neben den Gruppen der Patienten mit Persönlichkeitsstörungen und Sexualdelikten finden sich zunehmend auch für schizophrene Patienten kaum geeignete Nachsorgeeinrichtungen.
Von guten Mächten treu und still umgeben
Oder: Was ist Good practice im Maßregelvollzug?
Dirk Hesse
Zusammenfassung:
Zusammenfassung Der Maßregelvollzug (MRV) steht im Fokus der Öffentlichkeit. Viele fühlen sich befähigt, Aussagen zur Therapie, Gefährdung der Öffentlichkeit und zur Qualität des MRV zu machen. Am Beispiel der Maßregelklinik Moringen wird erörtert, wie das therapeutische Umfeld gestaltet sein muss, um Veränderungsbereitschaft bei Patienten zu erzeugen und Perspektiven zu eröffnen, warum Halt und Struktur nicht restriktiv oder gar punitiv sein dürfen, um Orientierung zu ermöglichen, wie Kliniken menschlich bleiben können trotz all des Schreckens und der Grausamkeiten, die Patienten mit ihren Straftaten mitbringen, welche Strukturen sich also bewähren, um therapeutisch gute Arbeit zu leisten.
Matthias Albers
Zusammenfassung:
Zusammenfassung Was ist eigentlich »ambulant betreutes Wohnen«? Was sind seine Inhalte und wie und von wem wird es gesteuert und finanziert? Wie unterscheidet sich die Praxis in den 16 Bundesländern und welche gemeinsamen Entwicklungstendenzen lassen sich erkennen? Zunächst wird versucht, die Entwicklung des »ambulant betreuten Wohnens« seit der Psychiatrie-Enquete zu verfolgen und seine Praxis und leistungsrechtliche Einordnung als Eingliederungshilfeleistung nach BSHG bzw. SGB XII zu skizzieren. Das Scheitern des Projekts einer einheitlichen Personalermittlung im »komplementären Bereich der psychiatrischen Versorgung«, der Schaffung eines einheitlichen Rehabilitationsrechtes sowie der bisherigen Versuche der Reform der Eingliederungshilfe wird dargestellt. Anhand der drei Kriterien Finanzierung, Verfahren zur Bedarfsbemessung sowie Feststellung der »wesentlichen Behinderung« werden die aktuellen Diskussionsfelder in den Bundesländern umrissen. Abschließend wird auf mögliche zukünftige Entwicklungen eingegangen. Es besteht einerseits ein praxisbezogener Forschungsbedarf, vor allem jedoch der Bedarf nach ambulanten leistungsträgerübergreifenden Komplexleistungen.
Gisbert Eikmeier und Angelika Lacroix
Zusammenfassung:
Zusammenfassung Ausgehend von defizitorientierten Modellen der Psychiatrie und Psychologie und deren Konsequenzen für die Betroffenen am Beispiel des Vulnerabilitäts-Stress-Modells von J. Zubin wird der durch die Recoverybewegung angestoßene Paradigmenwechsel beschrieben. Die Fokussierung auf zentrale Recoveryaspekte durch die konsequente Einbeziehung von Experten aus Erfahrung als gleichberechtigte Partner in die Behandlungsteams am Klinikum Bremerhaven-Reinkenheide wird vorgestellt.
»Mit ’nem Messer würd’ ich Sie abstechen!«
Über Bedrohungen durch psychisch erkrankte bzw. suchtkranke Klienten auf der Straße
Christian Brück
Zusammenfassung:
Zusammenfassung Dieser Artikel befasst sich mit Auswirkungen von Bedrohungen (und Übergriffigkeit) durch psychisch erkrankte oder suchtkranke Klienten. Was machen solche (wiederholten) Grenzüberschreitungen mit einer Klienten-Helfer-Beziehung? Was muss man aushalten und wann ist es professionell, aus einem Fall auszusteigen? Zusätzlich wird die Sichtweise beschrieben, sich von Gesetzgeber/PsychKG und dem sozialpsychia­trischen Dienst nicht geschützt zu fühlen und »zwischen den Stühlen« zu stehen: Solange keine Übergriffigkeit erfolgt ist, wird nicht zwangsuntergebracht. Aber passiert doch was, sind alle fassungslos und fragen sich, wie so etwas passieren konnte und warum niemand aktiv geworden ist.
Beatrix Brunelle
Zusammenfassung:
Zusammenfassung Mit einer psychischen Erkrankung alt zu werden, stellt neben der Krankheitsbewältigung noch einmal besondere Herausforderungen an den Lebensalltag. Im Beitrag geht es um die Lebenssituation verschiedener Gruppen chronisch psychisch Kranker im Alter und um das, was sie sich von der Gesellschaft erhoffen. Anhand einer Fabel wird gezeigt, dass selbst aussichtslos scheinende Lebensbedingungen am Ende sogar zu einem glücklichen und segensreichen Leben führen können. Am Lebensweg der schizophrenen Malerin Hildegard Wohlgemuth wird dies noch einmal konkret verdeutlicht. Abschließend beschreibt die Autorin kurz, was sie selbst als ältere chronisch psychisch Kranke am Dasein lebenswert findet.
Arbeitskreis zur Erforschung der nationalsozialistischen »Euthanasie« und Zwangssterilisation
Zusammenfassung:
Zu Recht besteht in Deutschland angesichts des Missbrauchs des Euthanasiegedankens während der Zeit des Nationalsozialismus in aktuellen Fragen der Sterbehilfe eine besondere Sensibilität und Verantwortung. Das bedeutet jedoch nicht, dass die aktuelle Debatte um die Sterbehilfe mit den historischen Entwicklungen, die zu den Krankenmorden geführt haben, gleichgesetzt werden soll. Es bedeutet auch nicht, dass sich eine Gesellschaft den Ängsten und Fragen von Menschen im Hinblick auf das eigene Sterben, eine würdige Pflege und Versorgung im Fall von Alter, Krankheit und schwerer Behinderung entziehen kann. Gleichwohl beobachtet der Arbeitskreis einige Entwicklungen der aktuellen deutschen und internationalen Debatte, um die Sterbehilfe und den ärztlich assistierten Sui­zid mit Sorge.
Der Fremde in uns II
Die Angst als bestimmender Faktor in Politik und Religion
Arno Gruen
Zusammenfassung:
Zusammenfassung Furcht als etwas Objektbezogenes zu begreifen, bedeutet nicht, dass die Objekte auch wirklich die Ursache einer Furcht sind. Man kann Moslems oder Juden fürchten, ohne zu wissen, dass die Quelle der Furcht in einer tiefen Angst wurzelt, die mit einem Verlust der persönlichen Ganzheit zu tun hat. Diese Problematik hängt mit einer Entwicklung in unserer Kultur zusammen, in deren Verlauf Menschen abhängig werden von der Illusion einer Macht, die Erlösung von Angst verspricht.
Wächterin der Erinnerung
Die Deutsch-Polnische Gesellschaft für Seelische Gesundheit
Elmar Spancken, Ralf Seidel, Niels Pörksen, Łucasz Cichocki, Andrzej Cechnicki
Zusammenfassung:
Zusammenfassung Ziel des Beitrags ist, die Geschichte und die Errungenschaften der Deutsch-Polnischen Gesellschaft für Seelische Gesundheit darzustellen. Er kann kein Gesamtbild entwerfen, das der Vielfalt der Aspekte und Aktionen der DPGSG bis in die Gegenwart hinein gerecht wird. Mit der Funktion als »Wächterin der Erinnerung« wollen wir jedoch gerade ein zentrales, der Gesellschaft bis heute wichtiges Anliegen, herausstellen. Die im Jahre 1990 gegründete DPGSG hatte sich zum wichtigsten Ziel gesetzt, partnerschaftliche Beziehungen zwischen der polnischen und der deutschen Psychiatrie auf den verschiedensten Ebenen zu entwickeln und den Aufbau einer humanistischen Psychiatrie in beiden Ländern zu fördern. Die Umsetzung dieser Ziele erfolgt u. a. durch bilaterale Treffen, Seminare und alljährlich stattfindende Symposien. Aufgrund ihrer historischen Wurzeln reflektiert die Gesellschaft immer wieder die Verbrechen, die in der Zeit des Nationalsozialismus an psychisch kranken Personen begangen wurden. Deshalb stellen ethische Fragestellungen ein ständiges Thema dar, das vor allem auch unter Einbeziehung von Patienten und Angehörigen diskutiert wird.
Immer die Nase im Wind
–Nachrichten aus dem Netzwerk Sozialpsychiatrischer Dienste in Deutschland–
Hermann Elgeti
Zusammenfassung:
Armut behindert Teilhabe – Was können wir dagegen tun? Diese Frage steht im Mittelpunkt der 4. bundesweiten Fachtagung »Segel setzen!« des Netzwerks Sozialpsychiatrischer Dienste im nächsten Frühjahr. Sie findet am 21. und 22. April 2016 in Hannover statt, Tagungsort ist diesmal das Freizeitheim Vahrenwald in Innenstadtnähe, vom Hauptbahnhof kommend direkt an der dritten U-Bahn-Haltestelle.
Herbert Csef
Zusammenfassung:
Zusammenfassung Die Biografie des Psychiatrie-Ordinarius Werner Heyde weist zwei Besonderheiten auf: Bereits vier Jahre, bevor er den Psychiatrie-Lehrstuhl an der Universität Würzburg übernahm, war er Mitglied der SS-Totenkopfverbände. Es ist deshalb sicherlich kein Zufall, dass er 1939 einer der Hauptakteure der T4-Aktion wurde. Seine außergewöhnliche SS-Karriere verdankte er einem ehemaligen Patienten, den er begutachtete: dem SS-Offizier Theodor Eicke. Eickes eigene Karriere in der SS hing absolut vom Gutachten von Werner Heyde ab. Heyde schickte ein positives Gutachten direkt an Heinrich Himmler persönlich. Es folgte eine steile Karriere von beiden SS-Kollaborateuren: Eicke wurde von 1935 bis 1937 »Inspekteur der Konzentrationslager« und damit oberster Herrscher über alle Konzentrationslager. Später wurde er Führer der SS-Totenkopfverbände und der »Totenkopf-Division« der kämpfenden Truppe. Heyde wurde Hauptakteur der T4-Aktion und später Leiter der SS-Lazarettabteilung Würzburg. Nach dem Krieg konnte er fliehen und untertauchen und war zwölf Jahre unbehelligt trotz Mitwissen führender Juristen und Mediziner tätig. Dies führte zur »Heyde/Sawade-Affäre« und zu einem Untersuchungsausschuss im Landtag von Schleswig-Holstein.
Sybille Prins
Zusammenfassung:
Sonja Buschmann ist 40 Jahre alt und lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft im Rahmen des stationären Wohnens. Ihr Zimmer ist 12 qm groß, die WG befindet sich in einem Mehrfamilienhaus im Vorort einer Großstadt in NRW. Sie ist alleinstehend und hat einen Realschulabschluss.
Dieter Lehmkuhl
Zusammenfassung:
Frances A (2013) Normal: Gegen die Inflation psychiatrischer Diagnosen Köln: Dumont-Verlag 430 Seiten, 22,00 Euro
Gunther Kruse
Zusammenfassung:
Schreiber D (2014) Nüchtern. Über das Trinken und das Glück Berlin: Hanser 130 Seiten, 16,90 Euro

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